12. Februar 2015 | Altes Rathaus Hannover | Jürgen Mayer H.

Neugier an Zukunft

Jürgen Mayer H. baut. Architektur ist sein Medium. Über seine Projekte drückt er sich aus. Abgeleitet aus Mustern und Rastern entstehen Gebäude, auf die er Lust hat, die ihm Spaß machen. Dass er das kann und genügend Bauherren hat, die es ihm ermöglichen, zeigt er eindrucksvoll bei „Architektur im Dialog“ Mitte Februar in Hannover.

Ein Projekt jagt das nächste. Im Sommer beauftragt, im Winter eingeweiht. Schnell, viel. Das geht vor allem im Ausland, in Georgien, wo Mayer H. von Tankstellen, Raststätten, Cafés, Rathäusern, Grenzübergängen, Hafenskulpturen bis hin zu Flughäfen scheinbar alles baut, was gerade gebraucht wird. Zeitgenössische Architektur will er ins türkische Nachbarland bringen, ein Ort, an den ihn ein persönlicher Anruf der Assistentin des damaligen Präsidenten Saakaschwili verschlug. Auch Nachfolger Margwelaschwili hat ihn bereits beauftragt. Aufmerksam auf Mayer H. geworden waren die Georgier wie die Meisten durch das vielbeachtete Projekt Metropol Parasol in Sevilla.Die Mensa in Karlsruhe, dieser aus einem Guss dastehende mit Polyurethan überzogene Holzbau, der Fundament, Fassade und Dach zu einer Einheit werden lässt, das viel beachtete Stadthaus Scharnhauser Park in Ostfildern und die vielen Kunstprojekte, die es mittlerweile bis ins Moma nach New York geschafft haben – alles nichts gegen den schattenspendenden Holzschirm in Spanien.

Urbane Landschaften will Mayer H. schaffen, in Sevilla scheint es geglückt. Die Menschen haben die größte Holzkonstruktion der Welt in ihre Arme geschlossen. Hier kann man demonstrieren, feiern, fotografieren, Fußballgucken, arbeiten oder einfach den Sonnenuntergang genießen, wenn man oben auf dem Dach eine Runde dreht. Michael Mönninger, neuer Moderator von „Architektur im Dialog“ fragt Mayer H. ob er ein Star ist. Der Begriff aber passt nicht zu diesem Architekten, der bodenständig geblieben ist. Er will nur die Grenzen des Berufs ausloten, Verhandlungsanstöße geben und Orte des Austauschs schaffen. In seinen Autobahnraststätten wird geheiratet, in seinen Installationen nach Zahlen gesucht, in seinen Bauten gearbeitet, gewohnt, gelebt. Ist er ein Solitär-Architekt, einer, der sich um den Ort wenig schert, auch wenn er stets mit ihm argumentiert? Vielleicht. Seine Hochhäuser, seine geplante Mall in Berlin, seine Apartments tragen eine wiedererkennbare Handschrift.

Erich Mendelsohn habe ihn als Kind zur Architektur gebracht, das Kaufhaus Schocken begeistert. Vielleicht deswegen die geschwungenen Linien und Fassaden, die sichtbaren Strukturen, die verzogenen Raster. Nicht immer ist alles als schön zu bezeichnen, was Mayer H. an diesem Abend zeigt. Für ihn aber ist es selbstverständlich. Er muss sich nicht rechtfertigen oder produzieren. Er zeigt, was er hat und bleibt auf dem (selbst gestalteten) Teppich.

Nur die letzten Fotos, die, die der abgestürzte Laptop erst nicht zeigen wollte, die muss er dann nach dem Gespräch mit Mönninger doch noch loswerden. Da spürt man die Durchsetzungskraft dieses Architekten, da stören ihn auch keine, zwar begeisterte, aber auch erschöpfte 300 Zuhörer. Metropol Parasol, das wird in diesen letzten Minuten und Bildern deutlich, ist sein Stolz und Vermächtnis, sein großes, durchgeplantes, durchdachtes, weltweit bewundertes Werk. Nicht schlecht für einen der gerade mal 49 ist und nicht den Eindruck vermittelt, keine neuen Projekte mehr vor sich zu haben. Neugier an der Zukunft heißt sein Motto.

 

 

Fotos: Kai-Uwe Knoth