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Schirmherr der Lavesstiftung - Walter Hirche

 

Interview mit Walter Hirche, niedersächsischer Wirtschaftsminister a. D. und Schirmherr der Lavesstiftung.

Warum ist Ihnen dieses Amt ein Herzensanliegen?
Meine Überzeugung war und ist, dass sich in der Baukultur die Seele einer Gesellschaft spiegelt. Wirtschaftlicher Erfolg hat sich immer auch in bemerkenswerten Bauten Ausdruck geschaffen. Bekanntlich hat Georg Ludwig Friedrich Laves für Hannover die Bedeutung wie Karl Friedrich Schinkel für Berlin und Leo von Klenze für München. Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium, seinerzeit auch schon einmal zuständig für den Hochbau im Lande, hat seit Jahrzehnten seinen Sitz im Wangenheim-Palais, einem Laves-Bau. Schon in meinen ersten Amtsjahren als Wirtschaftsminister habe ich einen „Laves-Kreis“ ins Leben gerufen, der als erste Aufgabe 1988 die Würdigung von Laves anlässlich seines 200. Geburtstages 1988 hatte. Bei Gründung der Lavesstiftung war es daher für mich eine besondere Freude, die Schirmherrschaft übernehmen zu können.

Welche Bedeutung hat Architektur und Baukultur für Sie persönlich?
Aus meiner Arbeit in der Deutschen UNESCO-Kommission weiß ich, wie sehr sich Kulturen in aller Welt sowohl in sakralen als auch in säkularen baulichen  Meisterwerken selbst dargestellt haben. „Welterbe“ ist in vielen Regionen der Erde vor allem mit Bauwerken verbunden. Die Vielfalt dieser Ausdrucksformen ist ein Zeichen für gelebte Kreativität. Dabei ist es nur eine, wenngleich aus meiner Sicht erfreuliche, persönliche Randnotiz, dass einer meiner Vorfahren Stadtbaudirektor in Luzern war.“

Welchen Beitrag kann und muss die Politik zur Förderung der Baukultur leisten ?
Auch wenn demokratische Gesellschaften schwierige Bauherren sind, möchte ich keinen Einheitsbaustil wie in Diktaturen mehr erleben. Wettbewerbe müssen auch in Zukunft im öffentlichen Bereich Alternativen herausfordern. Politik muss Vielfalt nicht nur zulassen, sondern fördern. Das ist angesichts der „Verstädterung der Welt“ und neuer Herausforderungen an Architektur durch Klimawandel, Digitalisierung und demographische Veränderungen keine leichte Aufgabe. Wichtig bleibt, angesichts von Kosten- und Effizienzdruck nicht zu vergessen, dass Bauten, in denen Menschen sich beim Arbeiten oder Wohnen wohlfühlen sollen, diesem Anspruch dann am besten gerecht werden, wenn sie in einem sehr grundsätzlichen Sinn Kultur im Bauen erreicht haben.