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23. Juli 2025 | Altes Rathaus Hannover | Prof. Elisabeth Endres

 

Lebensgefahr von 11-17 Uhr 

Hitzeschutz in den Städten im Fokus – Architektur im Dialog mit Prof. Elisabeth Endres 

Sommerferien, Fußball-Halbfinale, einsetzender Regen. Die Bedingungen für volle Ränge standen nicht gut. Die Lavesstiftung lud wieder ins Alte Rathaus nach Hannover ein. „Architektur im Dialog“ stand an. Schlechter hätte der Termin nicht liegen können, hörte man im Vorfeld der Veranstaltung. Wer sich um 19 Uhr am 23. Juli im Festsaal des Alten Rathauses umsah, wurde eines Besseren belehrt. Vollbesetzung, fast 200 Personen. 

Grund dafür: Die Referentin des Abends. Prof. Elisabeth Endres, Leiterin des Instituts für Bauklimatik und Energie der Architektur an der TU Braunschweig, war der Einladung der Lavesstiftung gefolgt. Anlass der Einladung war nicht nur das Schwerpunktthema des Abends – Hitzeschutz und das sich verändernde Stadtklima – sondern auch Prof. Endres Beteiligung, besser gesagt ihre Kuratorentätigkeit, am Deutschen Pavillon „STRESSTEST“ der aktuell laufenden 19. Architekturbiennale in Venedig. 

Von der Akropolis in Griechenland, die schon jetzt im Sommer aufgrund von Lebensgefahr durch Hitze von 11-17 Uhr geschlossen ist, bis zur ganz gewöhnlichen Kleinstadt in Deutschland. Eines wurde durch Prof. Endres Vortrag, der weit über den Deutschen Pavillon hinaus ging, eindrucksvoll deutlich: Wenn wir jetzt nichts unternehmen und nicht umgehend den öffentlichen Raum neu denken, dann werden die Innenstädte zur Mitte und besonders zum Ende dieses Jahrhunderts mitunter unbewohnbar sein. Aber auch schon jetzt sind die Auswirkungen spürbar. Die heißen Tage in Deutschland steigen an. Daraus resultieren auch zusätzliche Krankenhausaufenthalte von Hitzegeschädigten, mehr Tote. Die offiziellen Zahlen sprechen von 8.000, die Dunkelziffer ist vermutlich höher. Häufig werden besonders Todesfälle älterer Menschen im Sommer nicht auf Hitze zurückgeführt, sondern auf übliche, altersbedingte Ursachen – ein Problem für die Öffentlichkeit. Nicht nur für den Schutz der Bevölkerung, sondern vor allem für das Gefahren-Bewusstsein. 

In der Podiumsdiskussion mit Architekturpublizist Dr. Alexander Gutzmer, Professor für Medien und Kommunikation an der Quadriga Hochschule Berlin, blieb dann trotzdem Zeit, auch etwas Mut zu machen. Vereinzelt gibt es sie ja doch. Die guten Beispiele, die vorbildlichen Kommunen, die Best-Practice-Projekte. Aber noch zu wenig, nicht flächendeckend, nicht ausreichend. Besonders das Thema Suffizienz sei bei der seit langem anhaltenden Nachhaltigkeitsdebatte zu wenig berücksichtigt worden. Dr. Gutzmer wollte noch die eine, zentrale Botschaft von Prof. Endres wissen, die nicht lange überlegen musste: „Pflanzt mehr Bäume!“ 

Den goldenen Löwen der Architekturbiennale bekam der Pavillon des Königreichs Bahrain, kuratiert von der Architektin Andrea Faraguna. Thema: Bewältigung extremer Hitzebedingungen in öffentlichen Räumen.

Alle Fotos: Reiner Jensen